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Johnny, Marie und die anderen Protagonist:innen dieser Aneinanderreihung von Geschehnissen sind Kunstfiguren. Sie bestehen aus Erlebtem und Gesehenem verschiedener Menschen, aus Fragmenten und aus (fast) vollständigen Handlungen. Wo genau die »Wahrheit« liegt, so erforderlich, mag jede/r für sich entscheiden und das stets mit der Gewissheit, dass es noch viel schlimmer hätte kommen können. Ihr Lebensraum ist dabei ein durch und durch hedonistisches Gebilde, in dem sie sein und entscheiden können, was immer ihnen beliebt. Es existiert kein Ausweg.

Wut

Maries Nacht war grauenhaft. Die Luft in ihrem Schlafzimmer war zu warm und hatte sich angefühlt, als hätte sie allen Dreck der Stadt in sich aufgenommen. Auch das Gewitter am Morgen hatte die Situation nur wenig verbessert und ließ die mediterran-luftige Einrichtung umso unwirklicher erscheinen. Selbst ihre leichten Vorhänge kamen ihr vor, als wären sie von Schweiß triefnass, erschöpft. Nachdem der Regen abgeklungen war, hatte sie sich einen Kaffee bereitet und sich an das offene Fenster gestellt, um den beginnenden Verkehr zu beobachten, sich nicht sicher, ob die Stadt heute wirklich erwachen würde. Sie hätte ihr ein Verweilen im Schlaf nicht übel genommen, doch der Rhythmus der Metropole ließ sich nicht unterbrechen. 

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Stalking Marie

Der Sommer wollte nichts von dem halten, was Johnny sich von ihm versprochen hatte. Er zickte herum wie eine ältliche Diva. Mal gaukelte er klimatische Kontinuität vor und lockte mit hohen Temperaturen, um bald darauf in die Rolle des Herbstes zu schlüpfen. Johnny ging es ähnlich und er war sich nicht sicher, ob es ihm gefallen sollte. Er mochte Beides, jedoch nicht, wenn kein Verlass darauf war. Am Morgen hatte es gewittert. Für seinen Geschmack viel zu spät. Der richtige Zeitpunkt für ein Gewitter wäre nachts. Es sollte den Höhepunkt triefender Wärme bilden, der Energie zur Entladung verhelfen und den Tag beenden, doch nicht erst hoffnungslos verspätet am Morgen seine Arbeit verrichten. Unwillig schüttelte er den Kopf, sah nach draußen und zog sich einen Hoodie über. Hastig griff er zum Schlüsselbund, steckte ihn ein und schob die Wohnungstür auf. Sein Vorhaben duldete keinen Aufschub.

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Wärme

Die vergangenen Tage waren außerordentlich mühsam, geprägt von unzähligen Gesprächen im Kreis der Kollegen. Marie hatte sie hingenommen, war ihnen gefolgt und hatte sie sogleich aus ihrem Gedächtnis gestrichen. Was sollte sie auch damit anfangen, dem ganzen Gerede um Leben, die sie nicht weiter betreffen würden, dem um Projekte, von denen keine Spuren bleiben würden. Vorübergehendes zu produzieren würde ihr auch selbst gelingen. Unwillig schüttelte sie den Kopf und goss sich noch ein Glas Wein ein. Betrinken wäre eine gute Idee. Wenigstens würde es ihr dann am nächsten Tag angemessen schlecht gehen. Ein Grund, sich zu erinnern, eine Chance, sich zu kontrollieren. Mit Chemie war das nicht erreichbar. Das hatte sie ermittelt und verstanden. Ein Glas für die wichtigen Dinge, ein Blick in den Spiegel für den Flitterkram. Wein war die richtige Entscheidung. 

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Grenzen

Marie gingen Stefanies Hände nicht aus dem Kopf. Sie hatte einen engeren Kontakt mit ihr abgelehnt. Johnny empfand das akzeptabel. Eigentlich mochte er leichte Beute. Da war sogar er für einen Kompromiss zu haben. Marie in diesem Fall nicht. Sie beäugte weiter das Café gegenüber. Jetzt so, dass sie selbst nicht zu sehen war. Dieses dumme Spiel würde sie nicht mitspielen. Auch dann nicht, wenn ihr der Vorhang im Minutentakt durchs Gesicht fuhr.

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Copilotin

Johnny klingelte. Er hatte es geschafft, auf die Minute pünktlich bei Stefanie anzukommen. Die Haustür öffnete und er ging hinein. Das Treppenhaus beeindruckte ihn immer wieder. Die Wandmalereien, fast schon mondäne Leuchter, dazu der geschwungene Handlauf aus Holz. Leider existierte der Teppich nicht mehr. Nur die Haltestangen waren noch vorhanden. Das Haus war eben doch in die Jahre gekommen und die Eigentümer hatten kein großes Interesse daran, es wirklich zu erhalten. Stefanie hatte sich mehrmals darüber bei ihm beschwert. Dazu passte auch, dass man es bislang unterlassen hatte, ein richtiges Bad einzubauen. So befand sich in der Küche immer noch eine Duschkabine. Eilig ging er die Treppe hinauf in den zweiten Stock. Stefanie erwartete ihn an der Wohnungstür und ließ ihn ein. »Da bist du ja.« Stefanie umarmte ihn und fluchte leise. »Was ist los?« »Das Übliche. Ich bin meinem Finger am Stoff hängengeblieben. Verdammtes Papier. Egal. Möchtest du was trinken?« Johnny blickte sie an. »Ja, einen Primitivo, wenn du hast. Dann muss ich mich nicht umgewöhnen.« Stefanie grinste. »Du warst bei Marie. Gibs zu. Sie trinkt ihn, obwohl sie ihn zu dieser Jahreszeit widerlich findet. Warum auch immer. Also?« »Ja, war ich. Sie hatte ein Anliegen und sie hatte uns bemerkt.« Stefanie zuckte mit den Schultern. »War mir klar. Also, dass sie uns bemerkt hatte.« Johnny verdrehte die Augen. »Was machen wir jetzt?« »Na, ein Glas Primitivo trinken und reden, wenn du magst.«

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Nisha

Stefanie und Johnny kauerten unter der Decke. Auf dem Display des Rechners ploppte die Startseite des Portals auf, auf dem er Marie einst kennengelernt hatte. »Da wären wir wieder. Alles auf Anfang.« Johnny blickte sie an. »Nicht wirklich.« Stefanie rollte mit den Augen. »Ja, schon klar. Dennoch. Die Situation ist anders, das Ziel ist anders, du bist anders.« Der Anmeldeprozess hatte sich in den letzten Jahren verändert und war komplexer geworden; also nerviger. »Hast du irgendwo ein Bild von dir?« »Lass uns schnell eins machen.« Stefanie lachte. »So? In diesem derangierten Zustand?« »Ich bringe das kurz in Ordnung.« 

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Glöckchen

Nach erfolgter Belohnung, wie Stefanie es nannte, ging Johnny zurück in seine Wohnung. Er mochte es, die Strecke zu gehen, den Bus nicht zu nehmen. Sie war lang genug, den Kopf auch noch leer zu bekommen und kurz genug, um nicht lästig zu werden. In der Kneipe, die auf dem Weg lag und die er nie betrat, war noch Betrieb. Durch die vergilbten Vorhänge aus dem letzten Jahrtausend konnte man Bewegungen wahrnehmen. Eigentlich war dort immer offen. Morgens trafen sich ehemalige Hafenarbeiter, am Abend die abgerissenen Reste der Spaßgesellschaft. Johnny ging weiter. Noch etwa zwei Kilometer und er würde in seinem Refugium sein. Er hatte Nisha direkt geantwortet und sich für den morgigen Tag mit ihr verabredet. Während er ging, dachte er darüber nach, ob er sie erst alleine begutachten oder Marie mitnehmen sollte. Sinnvoller wäre es, da es mehr um ihre als um seine Belange ging. Noch während er die Vor- und Nachteile abwog, zog er das Smartphone aus der Tasche und wählte Maries Nummer. Er wollte es hinter sich bringen und nicht mit Fragen im Kopf einschlafen müssen. »Hey Marie.« Die Antwort war ein Gähnen. »Hi Johnny. Was willst du jetzt noch?« »Wir haben ein Date. Morgen, 16 Uhr, Parkplatz Schorfheide. Mit Nisha.« »Wer auch immer Nisha sein mag. Welcher Parkplatz genau?« »Ach so. Ja. Der am Wildpark. Nisha ist eine Option und du sollst sie dir ansehen.« Marie gähnte plakativ. »Ok, Sir Johnny. Dann bis morgen und jetzt lass mich schlafen.« Johnny legte auf. Nach all den Mühen sowas. Beruhigt und verärgert zugleich beeilte er sich, den Restweg hinter sich zu bringen.

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Immun

Johnny hatte die Stadt verlassen und war ins Ruhrgebiet gefahren. Eine alte Freundin hatte ihn eingeladen. Die Party würde sehr amüsant werden, hatte sie erklärt und Johnny hatte ohnehin Lust auf einen vorübergehenden Tapetenwechsel. Die Sache mit Marie war anstrengend geworden. Zu anstrengend. Zwar war er nach wie vor von ihr eingenommen, doch widerstrebte es ihm mitunter, dass die Befriedigung ihrer Bedürfnisse zuviel Raum einnahm. Das Date mit Nisha war ein Paradebeispiel. Johnny hätte sie nicht gebraucht. Es ging allein um die Fehlstellen in Maries Befriedigungsmatrix, die es auszufüllen galt. Er hatte sich bereiterklärt, seinen Teil zum Gelingen ihrer gemeinsamen Beziehung beizutragen, doch ihre Anforderungen stiegen, sobald sich ein Ergebnis abzeichnete. Selbst seine kleinen Ausreißer mit Stefanie als Ausgleich änderten nichts daran, dass ihn die Situation insgesamt frustrierte. Egal, was geschah; es endete fast nur noch in Leere und Frustration. Er musste raus. 

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Schweigen, kleine Schlampen & schlechte Drinks

Johnny hatte im Hotel noch schnell gefrühstückt und war dann aufgebrochen. Es drängte ihn zurück in die Stadt, in seine gewohnte Umgebung. Seine Zeit im Westen der Republik lag eine Weile zurück und ihm war bewusst geworden, dass das dort nicht mehr sein Terrain war. Auch darum hatte er den Gedanken verworfen, noch einen Abstecher weiter westwärts zu unternehmen. Vielleicht irgendwann mal. Während der Rückfahrt ging ihm Sabine nicht aus dem Kopf. Wie so oft, lag sie sicher richtig. Es war wohl ein Abschied. Sie hatten in der Vergangenheit oftmals geredet; über ihren Zustand, ihr Leben und das es wohl nicht allzu lange dauern würde. Traurig sah er aus dem Zugfenster und dachte daran, dass sich hinter all ihrer Härte ein großes Maß an Mitgefühl verbarg und er immer ehrliches konstruktives Feedback bekam. Natürlich eingebettet in eine Wortwahl, die teils abenteuerlich anmutete, um es zurückhaltend auszudrücken. Das Grün der Wälder an der Bahnstrecke verschwamm.

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Une fin

Johnnys Nacht war ein Marathon durch eine beunruhigende Landschaft, in der hinter jeder Kurve, hinter jedem Strauch am Wegesrand ein Wunsch, ein Wille, eine Vorstellung lauerte und auf ihn einschrie. Verzerrte, stöhnende, flehende und wütende Gesichter. Alle irgendwie vertraut und fremd zugleich in ihrem Fordern. Während er an ihnen vorbeirannte, unternahm er ab und an den Versuch zu antworten. Er brachte jedoch nur undefinierbare Laute heraus. Ihm war, als würden seine Worte in sein Gehirn zurückgepresst, um es zum bersten zu bringen. Der Druck stieg immer weiter an und Sorge überkam ihn. Was würden sie noch wollen? Welche unaussprechbare Antwort würde seinen Kopf sprengen? Wieder gelangte er an einen Abzweig. Eine Frau neben einem kleinen stark behaarten Mann, dessen übergroßen Schwanz sie rieb. Sie starrte ihn an und schrie ihm ein »komm« entgegen, während sie ihre Zunge plakativ herausstreckte und Speichel an ihren Mundwinkeln herunterlief, er unablässig spritzte.

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Tetris

Johnny fühlte sich schlecht. Maries Besuch ging ihm nicht aus dem Kopf, was ihm massives Unbehagen bereitete. War sonst er stets für Eskapaden aller Art zuständig, hatte sie plötzlich die Spielregeln verändert; einfach so. Vorherige Absprachen, gewohnte Muster – alles dahin. Intensiv bemühte er sich, ihr einen Vorwurf zu machen, um sich zu beruhigen. Es stellte sich zu seinem Leidwesen allerdings sehr schnell heraus, dass es nicht funktionieren wollte. Unangenehm von sich berührt, beendete er den Versuch und setzte sich an den Rechner; ein wenig Menschendasein begaffen, um sich abzulenken. Er wollte sich diesen Gedanken nicht weiter hingeben. 

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Pink Overkill

Johnny hatte fast die ganze Nacht damit zugebracht, die restlichen Wände und die Decke zu streichen. Er hatte es hinter sich bringen wollen. Irgendwann gegen Mitternacht war das Werk vollbracht und er ging zu Bett. Zwischendurch hatte er sich für einen Moment gewundert, dass eine Reaktion von Marie ausblieb, obwohl ihm im Grunde klar war, dass sie sich diese Blöße niemals geben würde; verständlich. Kurz hatte er sich die Frage gestellt, ob sie überhaupt begriff, um was es ging, verwarf aber auch diesen Gedanken, der so unwichtig war. Unmögliches musste enden. Verstehen war unnötig. Vielleicht wäre es sogar schädlich gewesen, weil es nur wieder Ausflüchte entworfen hätte. Am späten Vormittag wachte er auf; nach Stunden tiefen Schlafes, mit dem er nicht gerechnet hatte, der ihm jedoch gut tat. Johnny sprang auf und ging in seinen nun reinweißen neuen Lebensraum. Die Wände waren in der Zwischenzeit getrocknet und er sah sich zufrieden um. Um den Berg aus Zeug würde er sich den Nachmittag über kümmern. Immer der Reihe nach.

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Barracuda

Es war wärmer als erwartet. Als Johnny vor die Bar trat, empfing ihn eine fast mediterrane Atmosphäre. Um Stefan würde sich sein Freund Jan kümmern. Marie und Ella würden die Bar in Zukunft vermutlich meiden. Gut. Damit wäre dieser Platz sicher vor Übergriffen und Spielchen aller Art. Er ging ein paar Schritte, hielt an und sah sich um. Niemand auf der Straße. Diese fast ländliche Ruhe mitten in der Metropole erstaunte ihn immer wieder. Er hatte die richtige Insel im Moloch gewählt. Wenigstens das. Die lebendigeren Viertel hätte er auf Dauer nicht ertragen. Nicht als Wohnquartier. Gemächlich ging er weiter. Zuhause angekommen fand sich Johnny vor dem Haufen Zeug wieder. Kurz dachte er darüber nach, einfach alles in den Müll zu kippen, besann sich aber. Morgen wäre Zeit, Dinge an ihren Ort zu stellen, an welchen auch immer.

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