Es war schon Abend, als der Zug die Stadt erreichte. Johnny hatte gehofft, Marie würde sich melden. Doch das geschah nicht. Er konnte ihre seltsame Reaktion nach dem Date mit Nisha immer noch nicht einordnen. Auf der einen Seite hatte sie sich ihr körperlich genähert und wirkte durchaus interessiert, auf der anderen Seite dann die in seine Richtung vorwurfsvolle Ablehnung. Andere Dates in der Vergangenheit waren harmonischer verlaufen. Was war hier anders? Johnny fiel kein Grund ein. Immer noch keine Nachricht. Kein Anruf, keine Mail, keine Kurznachricht. Er hatte zumindest ein Gesprächsangebot erwartet, nachdem sie ihn hatte unaufgeklärt stehen lassen. Johnny versuchte, die Gedanken an Marie zu verdrängen und sofort schoss ihm die Frage nach Liebe durch den Kopf. Sie hatten nicht oft über derartige Gefühle gesprochen, um Einengung zu vermeiden. Im Gegenteil. Oftmals hatten sie sich darüber lustig gemacht. Nun stand dieses Wort auf eine seltsam ernsthafte Art im Raum, nachdem sie sich über Jahre einfach gegenseitig hingenommen hatten. Inwieweit betraf es sie überhaupt? Johnny tat, was er sonst vermied; sich über seine Beziehung zu Marie Gedanken zu machen. Welche Perspektive hatte sie überhaupt? Während einer längeren jobbedingten Trennung hatten sie sich gegenseitig gestattet, sich am jeweiligen Ort mit Sex zu versorgen, damit niemand Mangel litt. Wer Hunger hat, muss essen. Sie gingen stets pragmatisch damit um. Warum jetzt diese Situation? Hatte er etwas übersehen?

Johnny ging einen Umweg. Er wollte nicht an Maries Wohnung vorbei. Er fühlte sich instabil und war gereizt. Sabine würde sterben und Marie hatte ihm ein Gefühl der Ablehnung verschafft, das er nicht mehr gewohnt war und das ihn überforderte. Er brauchte einen Drink und vielleicht ein belangloses Gespräch. Ablenkung täte gut. Fast wäre er an der Bar vorbeigelaufen, wären da nicht die albernen Winke-Katzen gewesen, die sauber aufgereiht im Fenster standen. Soviel Glück in einer Bar. Das musste ein Zeichen sein. Johnny ging hinein. Sie war mittelgut und recht gemischt besucht. Die Gäste machten einen zivilisierten Eindruck und Johnny beruhigte sich ein Stück; nahm an der Theke Platz. »Hi. Was darf ich dir servieren?« Der Wirt, ein langhaariger Endsechziger, drückte sich ungewohnt gewählt für die Stadt aus und sprach bedächtig, fast verlangsamt. »Kannst du mir einen Whisky empfehlen?« »Ja natürlich. Etwas rauchiger? Ich habe einen guten Islay.« Johnny nickte ihm zu. »Gerne.« Er kam mit zwei Gläsern wieder. »Hier, dein Whisky. Er hat Fassstärke. Hier noch Glas Wasser dazu.« »Vielen Dank.«

Johnny nippte und der warme runde Geschmack sprach ihn an. Seine Laune verbesserte sich und er verspürte ein Gefühl der Beruhigung. Während er trank, wanderte sein Blick durch die Bar und blieb an einer langhaarigen Frau mit Sommersprossen hängen, die ihn anlächelte. »Das erste Mal hier?« »Ja.« »Neu in der Stadt?« Johnny lachte. »Nein, überhaupt nicht. Ich wohne ein paar Straßen weiter; schon eine Weile.« »Und dann haben wir uns noch nie gesehen?« Sie zog lächelnd eine Augenbraue hoch. Johnny merkte, wie sich seine Laune weiter verbesserte. Und das, obwohl sie nicht sein Typ war. Die Situation erschien ihm dennoch angenehm. »Ach. Hey. Ida. Freut mich.« »Johnny« Kurz blitzte Marie in seinen Gedanken auf. Johnny drängte sie aus seinem Kopf. Er würde sich morgen mit ihr befassen, sie vielleicht sogar anrufen. Vorerst aber musste er zur Ruhe kommen, Gedanken neutralisieren, um offen für die Wirklichkeit sein zu können. »Wie ist der Whisky?« Johnny sah sie an. »Der ist wirklich gut. Man scheint hier etwas davon zu verstehen.« »Dem ist so. Dafür ist der Laden bekannt. Dein nächster Drink wird schlechter.« Ida lachte. »Darf ich näher rücken?« »Ja klar. Dann müssen wir uns nichts zurufen.« Ida sprang von ihrem Barhocker und rückte ihn an Johnny heran. Sie war nicht so klein, wie er erst annahm. Eher wie Marie. Johnny verdrehte die Augen. »Ist was?« »Nein, nichts. Schon gut.« »Alles klar. Trink aus. Wir müssen einen Gammel Dansk trinken.« »Kommst du aus Dänemark?« »Nein, Schweden; ursprünglich. Ich lebe schon lange hier und bin dort nur noch im Urlaub.« »Zwei Gammel bitte.« Der Wirt schüttelte mit dem Kopf und griff ins Regal. »Warum tut ihr das?« »Tradition«, gab ihm Ida zurück. 

Sie prosteten sich zu und Johnny nahm einen Schluck. Es war die Hölle. Scharf und dabei seinem Namen alle Ehre machend. Ein wenig, wie fauliges Wasser mit einer Note Pfeffer. Er schüttelte sich. »Widerlich, oder?« Ida lachte ihn an und kippte den Drink herunter. »Genau darum muss man es schnell tun. Wie man eben viele Dinge schnell tun muss. Sonst schmecken sie scheiße.« »Solange man nicht alles in den Mund nimmt ...« Johnny fasste sich geistig an den Kopf. »Geht auch schnell.« Jetzt musste er lachen. Das Gespräch gefiel ihm. Harmloses Geplänkel ohne anstrengende Momente. Er merkte, wie er immer mehr runterkam, sich leichter fühlte. »Na los. Einer ist keiner.« »Muss das wirklich sein?« »Na klar. Du musst ja noch lernen, ihn richtig zu trinken. ... schnell eben.« Johnny schwor sich, einen Geschwindigkeitsrekord hinzulegen. »Noch zwei.« Mit fragendem Blick wurde eingeschenkt. »Ihr habt sie nicht mehr alle. Aber gut. Hier.« »Skal. Runter damit. Beeil dich.« Johnny stürzte den Inhalt des Glases herunter.  Es schmeckte immer noch furchtbar. »Magst du mich?« Johnny fühlte sich überrumpelt. »Was meinst du?« »Na, ob du mich magst. Ist dir meine Gesellschaft angenehm?« Die Direktheit verblüffte ihn. »Ja, ist sie.«, hörte er sich sagen. »Wir sollten auf Wein umsteigen. Rot und trocken. Dann geht der Geschmack weg.« Johnny war mehr als einverstanden und Ida bestellte. Sie sollte Recht behalten. Der Wein gewann den Fight gegen den unsäglichen Likör. Nach dem zweiten Schluck griff sie nach seiner Hand. »Gib sie mir.« »Nur, wenn du mir sagst, was du damit vorhast.« »Ich möchte ihr etwas zeigen.« Sie zog seine Hand unter ihren Rock und sah ihn dabei unverblühmt an. »Weich, warm und feucht, oder?« Johnnys Augen versuchten zu ermitteln, ob die anderen Gäste etwas davon mitbekommen hatten; negativ. »Ja, durchaus. Du überrascht mich.« »Gut.« »Und wie geht es jetzt weiter?« Ida lachte. »Das weißt du nicht? Ich möchte kommen. Wenn wir zu dir gehen; bekomme ich dann, was ich will?« Johnny begann, alles egal zu sein. »Je nachdem, was du genau willst. Wir werden sehen.« »Gut. Zahlen bitte.« »Untersteh dich. Ich zahle.« »Nein.« Johnny ließ sie machen. 

Draußen vor der Tür küssten sie sich. »Wir müssen dort runter.« Johnny wollte losgehen, als sie ihn stoppte. »Hand.« Er reichte seine Hand, die sie ergriff und sie gingen los. Draußen war es kühl geworden und sie beeilten sich, Johnnys Wohnung zu erreichen. Dort war es noch angenehm warm. Die Räume hielten die Temperatur lange. »Ich möchte noch ein Glas Wein, wenn du hast. Und; wo ist dein Bad?« »Was den Wein betrifft; ich ziehe uns noch eine Flasche auf. Das Bad ist den Flur runter auf der rechten Seite. Ida nickte und ging. Johnny griff nach einer Flasche Gigondas. Eigentlich viel zu schwer für die Jahreszeit, doch immer noch besser als der Primitivo, den Marie bevorzugte. Er ärgerte sich maßlos bei diesem Gedanken. Ruhe bewahren. Er zog die Flasche auf, schenkte zwei Gläser ein und setzte sich. Minuten vergingen, Johnny starrte zum Fenster und tauchte in sich ab. Dann schreckte er fast auf. Ida hatte sich lautlos neben ihn auf den Boden gekniet; gänzlich unbekleidet. »Tu was du willst.« »Trink einen Schluck.« Johnny nahm ihr Glas und führte es an ihre Lippen. Sie trank und bedankte sich. Nachdem er das Glas weggestellt hatte, begann er, sie zu erkunden. Sie gefiel ihm mehr, als er sich eingestehen wollte. Sie war gut proportioniert; fast ein wenig zu gut. Dennoch wirkte sie auch athletisch. Das sprach ihn an.

Johnny drehte sich immer noch sitzend zu ihr und begann, ihre Brustwarzen zusammenzupressen. Zuerst leicht, um ihre Reaktion zu testen, die jedoch ausblieb. Dann immer fester. »Weißt du eigentlich, wie weh das tut?« Ida sah ihn direkt an. »Nein. Sags mir.« »Sehr.« Johnny machte noch einen Moment weiter. »Komm.« Johnny griff Ida am Nacken und stand mit ihr auf. »Da rüber.« Ida bewegte sich in Richtung Sofa und setzte sich mit geöffneten Schenkeln. »Dreh dich um.« Wortlos begab sie sich in die verlangte Position; nicht, ohne ihn zu beobachten. Johnny betrachtete sie. Auf eine gewisse Art war er ergriffen. Die Situation war ehrlich. Sie war nicht vulgär, nicht seltsam, eher natürlich - als ob es garnicht anders ginge. »Willst du mich ficken?« Johnny verneinte, zog seinen Gürtel aus den Schlaufen und schlug zu. Ida schrie auf. »Nein, werde ich nicht.« Johnny schlug noch einige Male auf ihr Gesäß und Ida schrie nicht mehr auf. »Nimm die Beine weiter auseinander.« Sie tat es und Johnny fasste sie an. Offenbar tat er ziemlich genau das, was sie sich erhofft hatte. Johnny erforschte sie noch genauer. Er mochte das und Ida fühlte sich spürbar wohl. Nach einer Weile ließ Johnny von ihr ab. »Besorg es dir. Ich will zusehen.« Unmittelbar begann sie, sich vor ihm zu befriedigen. Das Ende war erstaunlich leise. Kein Schrei, kein plakatives Stöhnen, nur ein leises tiefes Seufzen. »Du bist schön, wenn du kommst.« Ida lächelte. »Und du bist anders als ...«

Johnny blickte sie an. »Als?« Ida lächelte. »Als die anderen, die ich mitnehme oder zu denen ich gehe. Ich nenne sie meine kleinen Schlampen.« Johnny sah sie fragend an und wollte etwas sagen. »Sch Sch Sch. Nein, du nicht.« »Gut, das beruhigt mich.« »Hast du eigentlich eine Partnerin?« »Ja, aber es ist schwierig im Moment.« Johnny erzählte ihr in Kurzform von ihrem letzten Date und Ida hörte aufmerksam zu. »Ich kann ihre Frage verstehen.« »Warum?« »Ihr habt euch daran verloren. Du willst sein, sie will haben. Vergiss sie.« »Wie soll ich das wieder verstehen?« »Du wirst darauf kommen. Ich gehe jetzt.« Ida stand auf und zog sich an. »Machs gut, Johnny. Es war schön mit dir. Ach und; spritzt sie, wenn sie kommt? Ich wollte das immer mal haben. Ich kann es nämlich nicht. Du weißt ja jetzt, wo du mich findest.« Ohne eine Antwort abzuwarten, strich Ida noch kurz über Johnnys Gesicht und ging. »Ich finde allein raus. So long, Johnny.« Die Tür fiel ins Schloss und Johnny war allein.