METROPOLENMOND

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In waste we trust

Elfie ist besoffen. Das mag sich uncharmant lesen, ist aber so. Klaus geht es auch nicht viel besser und Hans ist derart routiniert, dass man den Unterschied zum Normalzustand - vorausgesetzt, es gibt ihn, eigentlich nicht wahrnimmt. Es ist dunkel im Kiez und in der Eckkneipe hat man sich alle erdenkliche Mühe gegeben, einen Zustand der kontinuierlichen Wahrnehmungsstörung herauf zu beschwören. Berlin, wie es singt und lacht - doch hier handelt es sich wohl um ein geografisches Missverständnis. »Ich bin eine Verräterin?« krächzt es über den Thekenwinkel Hans entgegen, der sich abmüht, zumindest einen Halbsatz einigermaßen verständlich zu formulieren. Ein »Du verlogenes Schwein.« unterbricht seinen Artikulationsversuch und Klaus Gedanken erwischen sich dabei, wie sie sich im No-Name-Sambuca ertränken wollen. Verzweiflung ist allgegenwärtig. »Ich dachte, Berlin wär' eine coole Stadt.«, entfährt es Elfie und man möchte ihr im gleichen Moment die Kühle des Erdreichs wünschen, doch das wäre wohl böse.

Henry Chinasky, später bekannt als Charles Bukowsky, wäre stolz auf Berliner Kneipen gewesen. Dessen bin ich mir sicher. Er hätte sich den Weg in die USA sparen können - von Andernach nach Berlin wärs kürzer gewesen, umweltfreundlicher irgendwie. Dieser Idiot. Mit Klaus hätte er sich bestens verstanden, der auch heute noch eine beachtliche Größe erreicht - körperlich. Immer noch mit langen Haaren ausgestattet, die allerdings - wie das meiste, was er von sich gibt - im Laufe der Jahre stumpf und dünn geworden sind. So ist es eben, wenn die einzigen Grenzen, die man zu übertreten versucht, aus Promille-Zahlen bestehen. Doch - Klaus, der weiß was. Zumindest ist das sein Selbstbild und zu einem gewissen Anteil stimmt das sogar, wenn man darüber hinweg sieht, dass Wissen eine gewisse Halbwertzeit besitzt und eine Struktur benötigt.

»Dem seine Olle...« entfährt es ihm und Elfie sieht erschrocken zu ihm hinüber, die Mundwinkel nach unten gezogen, Tränen des Suffs in den Augen. »Ihr seid alle Schweine...und..«. »Dem seine Olle hab ich gesagt...«, Klaus unterbricht, während Hans Augen den hilflosen Versuch unternehmen, sich im halbvollen Weizenglas zu ertränken, weil sie einfach die Nase voll haben. »Ich hab dir immer gesagt, dem seine...« »Jetzt halt die Fresse...« Elfie, normalerweise um eine gestelzte Contenance bemüht, da man im Süddeutschen so nicht spricht und die Eltern Mediziner waren, verliert diese schlagartig. Thekentranige Beschaulichkeit sieht anders aus. »Elfie, ich weiß genau...« »Einen Scheißdreck weißt du...« »Jetzt hör doch mal auf.« »Ich habe Geld, jawoll. Aber ich gebs nicht zu.« - Schweigen -

Hans, um steten Ausgleich bemüht, da ihm Streit während seiner Sauforgien missfallen, rückt sich seine Mütze gerade, während zwei unbeteiligte Gäste einen etwas irritierten Eindruck machen, als sie erfahren, dass ihre Rechnung bereits bezahlt ist. Besser keine weiteren Fragen stellen, nicht involvieren lassen - sie tun gut daran. »Das ist doch eine ganz ordinäre Fotze, die...« Elfie ist kaum noch zu bändigen. »Jetzt hör doch mal auf..« Hans erntet böse Blicke. »Hier komme ich nie wieder her, nie wieder...« Der Rest ist unverständlich. »Angezeigt.. soll ich..., weil... ihr Schweine.« Klaus, um Schadensbegrenzung bemüht, soweit es sein Zustand noch zulässt, greift zum Telefon und beginnt eine abendliche Recherche. Während er mit seinem Kontaktmann im kiezigen Polizeirevier diskutiert, eskaliert die Situation an der Theke weiter - der Kneipenhund lässt sich davon aber nicht irritieren und schläft weiter.

Nach einer Weile kommt er einigermaßen betreten zurück und fühlt, dass eine Entschuldigung fällig ist. Diese Erkenntnis ist auch durch Alkoholeinfluss nicht zu verhindern und ein zaghafter Versuch ist die Folge. »Hey - tut mir leid. Ich glaube (kurzes Stocken), ich muss mich entschuldigen. »ACH HAU DOCH AB...« »Moment mal.« »Ich habe niemanden vergewaltigt - du Arschloch. Was fällt dir überhaupt ein...« - Fragende Blicke - »Das hat doch niemand behauptet.« »HAST DU DOCH GESACHT« Hans schweigt, Klaus guckt, Elfie trinkt einen weitere Sambuca. »Mir hat jemand erzählt, Du hättest jemanden angezeigt, weil er versucht haben soll..« »Sag mal, bist du bescheuert? Wer denn? Na los - wer denn?« »Niemand - weiß ich doch jetzt.« »Ach, hau doch ab (leiser).« »Schwein (noch leiser)«. »WER!?« »Ich sag nichts mehr.«

Willkommen im Kiez.

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