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Allahs Hooligans

Allahs HooligansSeitdem vor 11 Jahren der bislang brutalste Terroranschlag in den USA ein nicht zu übersehendes Zeichen setzte, reißt die Diskussion um die Gefahren des radikalen Islam nicht ab. Der Druck, der von Seiten »al Quaida« und anderer Organisationen aufgebaut wurde und wird, gipfelt während dieser Tage darin, dass in Europa ernsthaft darüber diskutiert wird, ob man sich den »religiösen Gefühlen« dieser Menschen beugen müsse, wolle man nicht Gefahr laufen, dass die Situation auch hier eskaliert. Anstatt selbst Position zu beziehen, redet man die Unterwerfung herbei und bestätigt damit indirekt die Rechtmäßigkeit einer religiös verklausulierten faschistoiden Weltsicht, die Menschen in Herren- und Untermenschen einteilt, in »gerechte Gläubige« und in »minderwertige Geduldete«.

Ein Film geht um die Welt
Anlass für die jüngsten Ausschreitungen ist ein filmisches Nichtmeisterwerk, welches sich auf eine äußerst geschmacklose und dümmliche Art mit der Integrationsfigur einer Weltreligion befasst. Ein auch nur halbwegs gebildeter Mensch kann dieses Machwerk weder mögen, noch kann er es ernst nehmen. Allerdings ist dieser Film offenbar dazu geeignet, einige tausend Menschen dazu zu motivieren, ihrem Hass freien Lauf zu lassen - instrumentalisiert und angetrieben durch ihre Wortführer. Die Folge sind Verwüstung und Mord. Das Kalkül ist klar. Jegliche Kritik am Islam oder dessen Vertretern wird als »Verletzung religiöser Gefühle« identifiziert und zum Anlass genommen, den Druck auf Europa, Israel und die USA zu erhöhen. Die geistlichen Führer innerhalb der arabischen Welt benötigen dieses Feindbild, um ihre eigene Position festigen zu können. Dabei nutzen sie die Möglichkeit, Menschen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, ganz so, wie es die christlichen Kirchen früher auch taten und ganz so, wie es alle Kriegstreiber und Despoten in der Menschheitsgeschichte hielten.

Hooliganism
An seinen Gefühlen kann man fast jeden Menschen durch die Manege zerren und ihn handeln lassen, wie er sonst vermtulich nicht handeln würde. Niemand sitzt den ganzen Tag in seinem Zimmer und schmiedet Mordpläne oder hält Hassreden. Manche wissen nicht einmal, dass sie wenige Tage später so handeln werden. Es ist wohl davon auszugehen, dass die Mehrheit derer, die im Sudan und an anderen Orten beteiligt waren, ihre Zeit eher damit verbringen, ihre Familien irgendwie zu ernähren. Dennoch entsteht dieser Punkt, an dem sie ihre Normalität verlassen und zum rasenden Mob werden, ganz so, wie der Hooligan im Stadion, der sich emotionalisiert angestachelt auf die Ebene der Eskalation der Gewalt begibt. Rationalität und Vernunft, gar Regeln, spielen ab diesem Punkt keine Rolle mehr. Und wie der Hooligan, der sich im Stadion oder auch davor zur Eskalation hinreißen lässt, beflügeln auch den Menschen im Sudan oder in Libyen seine »Gefühle«. Es handelt sich um nicht mehr als eskalierende Schlägertrupps, denen man sich nicht unterwerfen darf. Ein Verbot der »Beleidigung religiöser Gefühle« wäre zudem ein Kniefall vor den Aggressoren in Saudi-Arabien, im Iran und in weiteren islamischen Staaten.

Die eigene Geschichte und die andere
Diese darf man in diesem Zusammenhang nicht vergessen. Auch Europa kennt das religiöse Extrem. Über viele Jahrhunderte zeichnete die christliche Kirche für Raub und Mord verantwortlich, Martin Luther war radikaler Antisemit und während des zweiten Weltkrieges standen Teile der katholischen Kirche stramm an Adolf Hilters Seite. Auch in Europa zählte das »religiöse Gefühl« über einen langen Zeitraum als unantastbar, hinterließ dabei eine endlose Blutspur durch die Geschichte. Gerade vor diesem Hintergrund erscheint die Forderung nach Film- und Karrikaturverboten umso erschreckender. Gewiss - viele Menschen benötigen Spiritualität. Diese wird ihnen durch Religion gegeben und es wäre unangemessen, dies zu verurteilen, solange ihre religiöse Auffassung Privatsache ist und bleibt. Innerhalb Europs wurde dieser Schritt weitgehend vollzogen, was ein großer Vorteil ist, da religiös bestimmte Denkverbote hier kaum noch Platz haben. Das dient der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung, sorgt letztlich für Gelassenheit und minimiert die Übergriffe zwischen verschiedenen Gruppen. Der Islam hat diesen Schritt in weiten Teilen noch nicht vollzogen, denn das »religiöse Gefühl« zählt mehr als das Menschenrecht.

Ausblick
Wir Europäer, die über einen langen Zeitraum den Vorteil genossen, unangreifbar zu sein, müssen uns mit der Aggression auseinandersetzen. Das heißt aber nicht, dass wir eigene Positionen aufgeben dürfen, also den Erpressungsversuchen einiger Despoten und Warlords entsprechen. Vielmehr wäre es unsere Aufgabe, klar Stellung zu beziehen, die Meinungsfreiheit zu schützen, auch dann, wenn uns selbst die betreffenden Meinungsverbreiter zuwider sind. Hierbei geht es auch darum, der islamischen Community ein Angebot zu machen, welches gegenseitige Anerkennung beinhaltet und dessen Preis Toleranz heißt, die aber letztlich allen Beteiligten zugute kommt - nur eben nicht denen, die den irrationalen Zorn der Massen schüren, um die eigene Position zu festigen oder auszubauen. Beugen wir uns den Ansprüchen der Extremisten, gleich welchen Lagers, forcieren wir die Gewalt, geben wir ihnen Recht, was ihre menschenverachtende Sicht betrifft. Und schlimmer noch - wir fallen all denen in den Rücken, die im Nahen Osten auf Entspannung und mehr Freiheit hoffen. Dabei ist es schon schlimm genug, dass wir Panzer an einen Unterstützer des islamistischen Terrors, Saudi Arabien, liefern. Liefern wir ihnen auch noch die Legitimation für ihr Handeln, indem wir den Forderungen ihrer »religiösen Gefühle« entsprechen, ist Europa, wie wir es kennen, am Ende und die, die Freiheit und Fortschritt in der arabischen Welt wollen, reißen wir mit in den Abgrund eines dann von uns selbst anerkannten mittelalterlichen Verständnisses.

Hintergrundbild Urheber: Israel Defense Forces

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