Naive Ostalgie und die querfrontige Sehnsucht

Berlin, 21.5.2016: Die Mahnwache für den Frieden (Eigenbezeichnung) (https://www.facebook.com/montagsmahnwache/) versammelte sich heute auf dem berliner Alexanderplatz. Gekommen waren ungefähr, ob vorsätzlich oder eher zufällig, 100 Personen. Das Hauptprogramm bestand auf einem nicht enden wollenden Auftritt des Bandbreite-Sängers Wonja, der zwischen eigenen Stücken, naiven Textbeiträgen und alten Kampliedern (Der kleine Trompeter) hin- und herdiffundierte. Nachdem unser Fotograf direkt bei der Ankunft von einem Teilnehmer massiv beschimpft wurde (Arschlöcher, ihr seid das Letzte), entwickelte sich eine kurze Diskussion, die erwartungsgemäßt jedoch zu keinem verwertbaren Ergebnis führte.

Parallelgesellschaft

Ein Gastbeitrag von Fabian Eigling
Die Anschläge in Brüssel sind jetzt en paar Tage her, der große erste Aufschrei ebbt langsam ab. Im Endeffekt ist alles so gekommen wie erwartet: Rechtspopulisten überbieten sich mit Parolen und nutzen die Opfer als Zugpferd für ihr islamophobes und fremdenfeindliches Geseier, die Kommentarspalten im Netz sind noch ungenießbarer als vorher und Politiker fordern wieder dies das verschiedene Dinge. Wir werfen mal einen kurzen Blick in unserern Kristallpflasterstein wagen nach einer kleinen Bestandsaufnahme ein paar Prognosen für die Zukunft.

Kopfschuss: Journalisten töten Anstand

Ein Gastbeitrag von Lisa Piesek
Vor einigen Tagen ist ein Video aufgetaucht, welches zeigt, wie ein israelischer Soldat einen am Boden liegenden Terroristen mit einem Kopfschuss tötet. Ich schließe mich explizit der Meinung meines Gastgebers an, dass zahlreiche judenfeindliche Arschlöcher dieses Video zur Aufgeilung nutzen. Ich stelle es mir sehr lebhaft vor, wie die “Gerade wir als Deutsche” Fraktion sich mit Lotion und Taschentüchern eindeckt und sich zusammen mit dem Video auf der Toilette einschließt. Welche Medien haben eigentlich mit der gleichen Ausführlichkeit, wie über den toten Araber, über das letzte israelische Terroropfer berichtet? Kennen Sie seinen Namen?

Warum wir mit der AFD nicht reden sollten

Seit dem Machtwechsel innerhalb der AFD hat sich die Partei offenkundig radikalisiert. Die »eurokritische Saat« von Bernd Lucke ist aufgegangen, auch wenn er die Folgen für seine Person unterschätzt hat. Dabei ist das, was die Partei jetzt ausmacht nur die logische Konsequenz aus dem Versuch der ursprünglichen Lucke-AFD, die EU mit populistischen Argumentationen zu hintertreiben. Das Agieren von Petry und von Storch ist also folgerichtig. Logisch ist auch der Versuch der Partei, in die von ihr gescholtenen Medien zu gelangen - wissend, dass sie diese Präsenz benötigen. Hier muss man der AFD leider bescheinigen, dass sie hier erfolgreich ist, da sie die Themen seit geraumer Zeit setzt. Umso wichtiger ist es, sich die Frage zu stellen, wie man ihr diese Möglichkeit wieder nimmt. Die Meinungen sind geteilt. Während eine Seite meint, die AFD in TV-Shows dekonstruieren zu können, wird andererseits die Haltung vertreten, dass man mit der Partei nicht reden darf. Und das ist richtig.

Digital Günther

Günther war sichtlich nervös. Ute blickte ihn leicht irritiert an. Sie wusste nicht, was sie von seinem Gehabe halten sollte und fragte sich, ob sie etwas falsch gemacht hatte. Sein Fotostudio im Keller war aufgeräumt. Sie sorgte immer dafür, dass es dort ordentlich war, denn es lag ihm viel daran und sie war froh darüber. Günther war nach seiner Frühverrentung der Fotografie verfallen und Ute gefiel es. Ein Mann braucht eben eine Aufgabe. Die erste Zeit war er unerträglich und hatte all ihre Routinen angegriffen, sie aus ihrem Gleichgewicht gebracht. Mit dem neuen Hobby änderte sich das schlagartig. Sie erhielt ihre Ruhe zurück und er Farbe, weil er sich auch wieder draußen aufhielt.

Platz frei für Autoren

Metropolenmond bietet ab sofort Platz für Autoren/Blogger, die sich inhaltlich beteiligen möchten. Wenn Du schreiben willst, Dich für Politik, Gesellschaft und Kultur interessierst und etwas zu sagen hast oder gut darin bist, Geschichten zu verfassen, könnte es sein, dass Du hier gut aufgehoben bist. In diesem Fall melde Dich einfach via E-Mail an herr-p@metropolenmond.de und teile mir mit, in welchen Bereich Du Dich einbringen möchtest, im besten Fall mit Leseproben. Deine politische Ausrichtung ist dabei zweitrangig, schließlich leben wir in einer offenen Gesellschaft. Dem rechten Spektrum solltest Du allerdings nicht angehören, denn - nun ja - die finden wir richtig beschissen und daran wird sich auch nichts ändern.

Und Euch mögen wir auch nicht....

In Freital, einem unbedeutenden Kaff in Sachsen, tobt der rechte Pöbel, andernorts brennen Häuser und Hallen, die eigentlich Einwanderer aufnehmen sollten. Hierbei handelt es sich nicht um einen Ausdruck von Besorgnis. Es handelt sich um »glasklaren« und aggressiven Terrorismus und die, die sich dem anschließen, sind Terroristen und ihre Sympathisanten. Mit ihnen lohnt weder ein Dialog, noch ist es angemessen, irgendein Verständnis für sie zu formulieren. Eine aufgeklärte Gesellschaft darf hier keinen Millimeter Boden aufgeben und muss mit aller Härte sanktionieren, auch die Politiker, die jetzt versuchen, Kapital aus der Situation zu schlagen. Hierzu zählt insbesondere auch der Chefpopulist der CSU, Horst Seehofer, der sich in den letzten Wochen wiederholt zum Wasserträger der ultrarechten Szene gemacht hat. Das hier ein »Ordnungsruf« ausbleibt, spricht Bände. Schlimmer noch - derartiges Agieren verstellt den Blick auf das wirkliche Problem dahinter, die drigend zu lösen wären. Das funktioniert jedoch nicht durch die Absenkung der Transferleistungen und auch nicht durch primitive Panikmache.

Deutschland - einig Mimimi?

Wieder mal ein neues Hilfspaket für Griechenland, wieder mal ein neues Asylantenheim, wieder mal noch mehr Wirtschaftsflüchtlinge, wieder mal. Und wieder sind noch mehr Bürger unfassbar besorgt, verbreiten ihre Besorgnis über die sozialen Netze und zünden ab und an was an. Und wieder reagiert das politische Berlin samt seiner landespolitischen Satelliten halbseiden, angepasst und ohne die geringste Spur einer eigenen Haltung. Das Rezept gegen die fortschreitende Radikalisierung innerhalb der Bevölkerung scheint Beschwichtigung durch Nachgeben zu sein. Über die Parteigrenzen hinweg macht man sich weitgehend gemein mit den Inhalten stumpfer Argumente der ewig besorgten Kleingärtnermentalitäten, die den gesellschaftlichen Kollaps befürchten, weil das Gras einen Millimeter zu hoch gewachsen ist. Naheliegend ist leider auch der Verdacht, dass die gewählten Volksvertreter sich dieser schwachen Mentalität nur allzu bereitwillig beugen, ... weil sie sie teilen. Hier könnte man dann allerdings von einem gesellschaftlichen Kollaps sprechen.

Ich, Araberin

Die folgende Rede stammt aus dem Projekt »working together«.

Schalom,
mein Name ist Kothar. Ich bin 24 Jahre alt und komme aus dem Dorf Drijat im Negev. Ich gehöre zu einer 13-köpfigen religiösen Familie. Mein Vater arbeitet als Lehrer, während meine Mutter zu Hause bleibt. Ich arbeite als Lehrerin in einer israelischen Schule. Ich unterrichte Arabisch für die fünfte und sechste Klasse in einem neuen Programm, das “Ya Salamm” heißt.

Monchichi Ahuuuu


Monchichi AhuuuWir sind nicht wieder soweit. Wer das angesichts der Übergriff durch Rechtsradikale auf Asylantenheime oder die PEGIDA-Bewegung dennoch meint, irrt. In den letzten Jahren hat sich in der Bundesrepublik eine gesellschaftliche und politische Entwicklung vollzogen, die erschreckender kaum sein kann. Nach einer langjährigen Phase der Aufklärung folgt heute eine Zeit der Degeneration. Eine tierhafte Dummheit, die unabhängig vom Bildungsstand besteht, greift um sich. Dabei entwickelt sich das Land Sachsen zum Synonym dieser Rückentwicklung. Der braune Pöbel spricht sächsisch, weitgehend unbehelligt durch die Politik, die sich immer noch scheut, hier massiv zu intervenieren. Kein Wunder also, dass der Mob weiter krakelend Stimmung macht und Schaden anrichtet. Wo bleibt der »Aufschrei« der Landes- und Bundespolitik, der über butterweiche Statements hinaus geht?

SPD - eine Partei sucht ihren Weg

Eine Partei sucht ihren Weg - SPDAls ich vor einigen Jahrzehnten, noch während meiner Erstausbildung, in die SPD in Hannover eintrat, war die Sache für mich klar. Ich konnte eindeutige Gründe nennen, warum ich mich dieser Partei anschließen musste. Sie vertrat klare Positionen, von denen ich die Mehrheit teilte, stand gegen ein klassisches hierarchisches System, für Partizipation und Mitbestimmung über alle Bevölkerungsgruppen hinweg. Das Programm bot eine Alternative zur muffig-spießigen CDU, deren Protektionismus für mich kein zukunftsträchtiges Gesellschaftsmodell bot - jedenfalls nicht für eine vielfältige Gesellschaft mit Chancen für alle Bürger, wie ich sie wollte. Von dieser SPD ist nicht mehr viel übrig. Zwar bezieht sie sich noch auf ihre Geschichte, doch wird sie ihr schon lange nicht mehr gerecht. Wo ihr »Totengräber«, der »Kanzler der Bosse«, Gerhard Schröder, zumindest noch durch Esprit zu begeistern vermochte, scheint heute nur noch ein sich selbst verwaltender Apparat übrig zu sein, der seine Existenzberechtigung auf der Beteiligung an der dauerhaften Regentschaft Angela Merkels gründet. Das jedoch ist zu wenig.

Numb - Marie: Gockel

Maries Nacht war grauenhaft. Die Luft in ihrem Schlafzimmer war zu warm und hatte sich angefühlt, als hätte sie allen Dreck der Stadt in sich aufgenommen. Auch das Gewitter am Morgen hatte die Situation nur wenig verbessert und ließ die mediterran-luftige Einrichtung umso unwirklicher erscheinen. Selbst ihre leichten Vorhänge kamen ihr vor, als wären sie von Schweiß triefnass, erschöpft. Nachdem der Regen abgeklungen war, hatte sie sich einen Kaffee bereitet und sich an das offene Fenster gestellt, um den beginnenden Verkehr zu beobachten, sich nicht sicher, ob die Stadt heute wirklich erwachen würde. Sie hätte ihr ein Verweilen im Schlaf nicht übel genommen, doch der Rhythmus der Metropole ließ sich nicht unterbrechen.

Willkommen in der Hysterie

Erinnern Sie sich noch an die »Gute alte Zeit«, dieses längst vergangene Irgendwann? Es muss wunderbar gewesen sein. Die Natur herrlich, die Menschen fleißig, die Zukunft sicher. Es gab keine »Fremden«, die anständigen und arbeitsamen einheimischen Familien Brot und Jobs nahmen, das Land nicht fluteten, um den »Volkstod« zu bewirken. Die Griechen machten ihre Schulden noch in Drachme, die Türken vermehrten sich weitaus weniger und die in der Ostzone waren noch richtige Opfer. Freilich bis auf jene, die nicht genug Anpassungsfähigkeit besaßen. Alles war schön, bis ein gewisser Helmut Kohl, Kanzler eines - so verraten uns die »Historiker« - immer noch besetzten Landes beschloss, die »sowjetisch besetzte Zone« heim ins »Reich« zu holen. Was erst Freudentaumel auslöste, sorgte bald für Schrecken. Dieser Schrecken trug den Namen Solidarzuschlag, roch nach Zweitaktmotoren und sprach »sächsch«. Und als ob das noch nicht gereicht hätte: Chemtrails, US-Imperialismus, jüdisches Finanzkapital, weitere Flüchtlingswellen, Sozialbetrüger, Bankster, Homo-Ehe, die NSA, ein total fies umzingeltes Russland, gierige Pleitegriechen, marodierende Zigeunerbanden und diese Lügenpresse und die Systemnutten überall. Schlimm.

»das dokumentartheater berlin« - Castings

CastingsDokumentarisches Theater besitzt in Deutschland eine lange Tradition, die allerdings nur von wenigen Theatern weitergeführt wird. Eines davon ist »das dokumentartheater berlin« unter der Leitung von Marina Schubarth, das sich gesellschaftspolitischen Themen widmet. Die preisgekrönten Inszenierungen thematisieren u.a. den Holocaust, Tschernobyl und die aktuellen Vorgänge in der Ukraine. Derzeit finden zu verschiedenen Inszenierungen Castings statt. Ambitionierte Schauspieler_innen sind aufgerufen, sich daran zu beteiligen und ihre Chance zu nutzen, Teil eines einzigartigen Theaterprojekts zu werden.

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Schwerpunkt Ukraine

Auf ein Wort, Berlin

Europa steht am Scheideweg. Dieser Erkenntnis kann man sich nicht entziehen und sie ist auch nicht neu. Bislang hatte Europa Glück, da es sich stets zwischen vielen Wegen relativ frei entscheiden konnte, die Folgen überschaubar waren. Das Gespenst Grexit, das halbherzige europäische Bekenntnis Großbritanniens, Immobilienblasen und die latente Gefahr durch den islamistischen Terrorismus sind und waren jedoch nichts gegen die lange geplante Aggression Russlands gegen Europa, bzw. gegen europäische Werte, denn hier geht es um die Legitimation Europas selbst, die auf dem Prüfstand steht. Seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht dieser unausgesprochene Krieg in der Ukraine, die sich erdreistet hat, ihre eigene Wahl treffen zu wollen und Europa wählte, das sich jetzt als unterwürfiger Zwerg herausstellt.

Zum Thema: Nadja Sawtschenko

Bei den Verhandlungen über „Minsk II“ – was sich bedeutsam anhört, es aber nicht ist, weil es, wie seine Vorgängerin scheitern wird – ist, gewiss zur – sprichwörtlichen diebischen - Freude des Präsidenten der russischen Föderation, einem wesentlichen Aspekt nicht die Bedeutung beigemessen worden, die ihm zusteht: Es geht um die Nadja Sawtschenko, die ukrainische Pilotin, seit langer Zeit zu Unrecht in russischer Gefangenschaft.

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